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Der Sparer spart und hat wenig davon
Eine Studie zeigt das Ausmaß der Einbußen, die deutsche Anleger wegen der Niedrigzinsen erleiden.

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Foto: dpa

FRANKFURT. Sollten die Zinsen weiter niedrig bleiben und deutsche Sparer allein auf Sparbuch, Tagesgeld oder ähnlich sichere Sparanlagen setzen, drohen ihnen in den nächsten fünf Jahren drastische Einbußen. Das geht aus einer Studie der Frankfurter Goethe-Universität im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hervor. Sie zeigt das Ausmaß der Verluste für deutsche Sparer.

Darin wird durchgerechnet, was ein um zwei Prozentpunkte niedrigerer Zins bedeutet – also zum Beispiel ein Sparzins von null Prozent statt zwei Prozent. Dies kostet die deutschen Sparer innerhalb von fünf Jahren 224 Milliarden Euro. Pro Haushalt drohen so Einbußen von 5600 Euro. Rechnet man die Vorteile dagegen, die die Deutschen als Kreditnehmer aus den niedrigeren Kreditzinsen ziehen, bleibe immer noch ein Verlust von 60 Milliarden Euro.

Für die Altersvorsorge bedeute dies zwingend höhere Sparquoten und ein verändertes Anlageverhalten. "Vollkasko bei der Geldanlage ist in diesem Umfeld keine Option mehr. Bei Anlegern muss ein Umdenken einsetzen", sagt Union-Investment-Chef Hans Joachim Reinke und fordert die Sparer auf, sich für risikoreichere Anlagen zu öffnen – diese allerdings möglichst breit zu streuen.

Nach Überzeugung von Uwe Walz, Volkswirtschaftsprofessor an der Goethe-Universität, bleiben die niedrigen Zinsen noch für drei bis fünf Jahre bestehen und würden real, also nach Abzug der Inflationsrate, zwischen null und zwei Prozent verharren. Dies treffe die Sparer gleich doppelt über ausbleibende Zinsen und geringere Renditen etwa bei der Altersvorsorge. Und dies um so deutlicher, weil die Bundesbürger in den vergangenen Jahren verstärkt bei der Vorsorge auf Bargeld, Spareinlagen und Lebensversicherungen gesetzt hätten.

Seinen Berechnungen zufolge müsste ein 30-Jähriger bei einem Realzins von zwei Prozent 15 Prozent seines Nettoeinkommens für die Altersvorsorge abzweigen, bei einem Zins von null müsste er mit dem Sparen schon zehn Jahre früher anfangen zu sparen, um auf das identische Niveau zukommen.

Allerdings reagieren deutsche Privatanleger bislang kaum auf die nun schon mehrere Jahre herrschenden Niedrigzinsen. "Sie erhöhen ihre Sparquote nicht, stattdessen bleiben niedrigverzinsliche Anlagen, Immobilien und Konsum im Fokus", kritisiert Reinke. "Die Folge ist Verzicht im Alter, weil deutlich weniger Vermögen zur Verfügung steht."

Quelle: badische-zeitung.de

Fr, 10. Juli 2015

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Rolf Obertreis

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