Aktuell

SCHULDENSCHNITT, SYRIZA, GREXIT
Könnten Sie die Griechen-Krise Kindern erklären?
BILD übersetzt die komplizierten Finanz-Begriffe, die jetzt immer in den Nachrichten sind

Experten sehen die Wahrscheinlichkeit für einen GREXIT bei 50 Prozent

Experten sehen die Wahrscheinlichkeit für einen GREXIT bei 50 Prozent
Foto: Imago

 

VON CECILIA REIBLE 17.02.2015 - 21:02 Uhr

Am Thema Griechenland kommt im Moment kaum jemand vorbei. In den Nachrichten geht es ständig um die griechische Schuldenkrise, die EU-Hilfsprogramme und die neue griechische Regierung, die die Reformen in ihrem Land stoppen will.

 
 

Auch ist immer wieder die Rede von einem „GREXIT“.

Seien Sie ehrlich: Das Finanzwort-Ungetüm haben Sie doch nicht wirklich verstanden, oder? Könnten Sie's ihren Kindern erklären?

Wenn JA, müssen Sie jetzt nicht weiterlesen – wenn NEIN: BILD erklärt, worum es konkret geht.

Die Ausgangslage

► Als zum 1.1.2002 der Euro in einigen Ländern der EU eingeführt wurde, war Griechenland von Anfang an dabei.

Später stellte sich heraus: Das Land hatte falsche Zahlen vorgelegt. Es hatte viel höhere Schulden, als eigentlich für die Euro-Länder erlaubt war.

► Nach dem Beitritt zur Euro-Zone nahm Griechenland immer neue Kredite auf. Heute hat das Land insgesamt etwa 320 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Das entspricht 175 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts – also der Summe aller im Land hergestellten Produkte und Dienstleistungen.

► Seit 2010 kann sich Griechenland deshalb nur noch mit internationalen Finanzhilfen über Wasser halten.

Die Kredite kommen von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds.

► Die bisherigen griechischen Regierungen haben sich im Gegenzug zu Reformen verpflichtet, um ihren Staatshaushalt in den Griff zu bekommen.

So sollten zum Beispiel durch Steuererhöhungen, Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit sowie durch Privatisierungen von Staatseigentum die Einnahmen erhöht werden.

Gleichzeitig sollten die Ausgaben gesenkt werden – etwa durch Kürzungen bei Beamtengehältern und die Anhebung des Rentenalters.

► Doch im Januar gab es Neuwahlen und einen Regierungswechsel in Athen.

Statt einer großen Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten regiert nun die linksradikale Syriza-Partei gemeinsam mit Rechtspopulisten.

► Die neue griechische Regierung will von den vertraglich vereinbarten Reformen nun nichts mehr wissen.

► Die Euro-Partner wollen Griechenland aber nur dann neues Geld leihen, wenn das Land weitere Reformen anschiebt.

Dagegen wehrt sich die neue Regierung in Athen von Ministerpräsident Alexis Tsipras (40). Er hatte im Wahlkampf unter anderem versprochen, den Mindestlohn und die Renten zu erhöhen, entlassene Beamte wieder einzustellen und Steuern auf Immobilien abzuschaffen.

Diese Wahlversprechen will Tsipras nicht brechen. Deshalb will er auch das Hilfsprogramm mit den Euro-Ländern nicht verlängern. Denn daran ist die Bedingung zu weiteren Reformen in Griechenland geknüpft.

Andere Euro-Länder wie Irland, Portugal oder Spanien, hatten ebenfalls große Finanzprobleme und wurden mit europäischen Hilfsgeldern vor der Pleite gerettet. Diese Länder haben ebenfalls harte Reformen hinter sich. Den Menschen dort wäre es schwer zu erklären, dass für Griechenland eine Ausnahme gemacht wird und die Schulden Athens ohne Reform-Gegenleistung gestrichen würden.

Im Moment sieht es nicht so aus, als könnten sich Griechenland und die übrige Euro-Länder einigen. Deshalb ist jetzt immer wieder von einem GREXIT die Rede.

Das bedeutet „GREXIT“
 

► GREXIT ist eine Wortschöpfung aus „greek“ (Englisch: griechisch) und „exit“ (engl.: Ausgang).

 Gemeint ist damit der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone.
Erstmals kam der Begriff 2012 auf, als schon einmal über die Rückkehr Griechenlands zur alten Währung Drachme diskutiert wurde.
► Wenn sich Griechenland nicht mit seinen Euro-Partnern einigt, das laufende Hilfsprogramm fortzusetzen, bekommt es keine Kredite mehr.
Dann geht dem Land das Geld aus, Beamtengehälter und -pensionen könnten nicht mehr gezahlt werden. Auch die griechischen Banken hätten bald kein Geld mehr.
► Dann müsste Griechenland wieder eigenes Geld drucken, um das Funktionieren von Staat und Wirtschaft zu gewährleisten.
Nach Ansicht von Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank, ist die „GREXIT“-Wahrscheinlichkeit von 25 auf 50 Prozent gestiegen. Das Land könnte sogar schon ab Mittwoch dazu gezwungen sein, zur Drachme zurückzukehren – nämlich dann, wenn die Europäische Zentralbank Griechenland auch keine Notfallkredite mehr geben will.

Quelle: bild.de

 

 

 

Ba l ks z 7

Newsletter-Anmeldung